06.10.2026

"Wasser - zu viel und doch zu wenig!"

Prof. Dr. Harald Kunstmann, Universität Augsburg und Karlsruher Institut für Technologie (Campus Alpin, Garmisch-Partenkirchen)

Aktuelles, "Wasser - zu viel und doch zu wenig!"

Mit einem hoch aktuellen Thema befasste sich der Aktionskreis für Kultur, Wirtschaft, Politik und Wissenschaft e.V. bei seiner Veranstaltung im Bayerischen Landtag am 6. Oktober 2026: Wasser - zu viel und doch zu wenig! Als Referenten hatte Vorsitzender Tobias Kurzmaier einen der renommiertesten Wasser-Experten Deutschlands in das Hohe Haus eingeladen: Prof. Dr. Harald Kunstmann von der Universität Augsburg und vom Campus Alpin Garmisch-Partenkirchen des Karlsruher Instituts für Technologie. Harald Kunstmann hat Physik in Marburg, Virgina/USA und Heidelberg studiert. Seine Promotion erfolgte in Umweltnaturwissenschaften an der ETH Zürich. Seit 2001 ist er Leiter der Forschungsgruppe Regionales Klima und Hydrologie, seit 2004 Leiter der Ab-teilung Regionale Klimasysteme und seit 2011 stellvertretender Direktor am KIT-Campus Alpin Garmisch-Partenkirchen, seit 2009 W3-Professur und Inhaber des Lehrstuhls für Regionales Klima und Hydrologie an der Universität Augsburg in gemeinsamer Berufung mit dem KIT-Campus Alpin Garmisch-Partenkirchen sowie seit 2021 Gründungsdirektor des Zentrums für Klimaresilienz der Universität Augsburg.

Im Fokus des Vortrags von Prof. Kunstmann stand die derzeit landauf landab viel diskutierte Thematik. Während Extremhochwasser wie an der Ahr 2021 volkswirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe verursachen, nehmen gleichzeitig Wasserknappheit und Dürreperioden in vielen Regionen zu. Warum ist die Trockenheit des Sommers 2026 in Bayern so besonders? Wie verändert sich der Wasserhaushalt in Deutschland und in Bayern eigentlich im Detail? Und wie leiten die Klimawissenschaften mit Computermodellen das erwartete Klima der Zukunft ab? Auf all diese Fragen ging Prof. Kunstmann in seinem rund 45-minütigen Vortrag ein. Neueste Klimaprojektionen zeigen, dass die steigenden Temperaturen die Wasserverfügbarkeit künftig weiter verringern werden, selbst dort, wo die jährlichen Niederschläge zunehmen. Wie können wir „zu viel und doch zu wenig Wasser“ zusammen besser managen? Wie können wir insgesamt widerstandsfähiger werden gegen die Auswirkungen der globalen Erwärmung auf den Wasserhaushalt, die Ökosysteme und unsere Gesellschaft? Warum fällt es uns so schwer dies zu erreichen? Warum sind Trockenheit und fallende Grundwasserpegel ein schwieriger zu bewältigendes Problem als der Hochwasserschutz? Wie sind aktuelle Gesetze und Initiativen in Deutschland und in Bayern zu bewerten? Kunstmann gab darauf die Antworten, spannte den Bogen von der aktuellen naturwissenschaftlichen zur interdisziplinären Resilienzforschung und griff aktuelle politische Rahmenbedingungen auf.

Harald Kunstmann betonte v.a. und mehrmals, dass Wasser ein ganz entscheidender Wirtschafts- und Standortfaktor ist, u.a. für die Halbleiterindustrie, Rechenzentren, Getränkehersteller und Landwirtschaft. Er appellierte an die Politik für mehr Schwammlandschaften zu sorgen, denn die zentrale Frage, die laut dem Professor über allem steht, lautet "Wie bringen wir mehr Wasser in den Boden?" Vom Privatisieren des Wassers als Lösung hält Kunstmann wenig bis gar nichts: "Wo immer auf der Welt Wasser privatisiert wird, wird es teuer, v.a. für die Armen. In Afrika sieht man das schon in einigen Ländern. Millionäre werden sich das Wasser immer leisten können. Es muss kommunal vor Kommerz gehen." Kunstmann kritisierte die Gesetzgebung des Freistaats Bayern, weil Bayern den Wassercent einführt, aber ohne verpflichtende Messungen. "Das ist ein schwerwiegender Fehler!" Der Professor hielt ein flammendes Plädoyer, dass wir uns alle in Bezug auf das Wasser den Solidargedanken bewusst machen sollen. Alle, Politik, Gewerbe, Kommunen, Bürger haben Kunstmann zufolge eine Fürsorgepflicht. "Solidarität ist der Schlüssel zur Resilienz".

Auf großes Interesse bei den Mitgliedern des AKWPW stieß der Vortrag von Prof. Kunstmann.

v.l.n.r.: Hans-Georg Augustinowski (Schatzmeister), Prof. Dr. Harald Kunstmann, Tanja Schulz (Beirat), Tobias Kurzmaier (Vorsitzender), Österreichischer Generalkonsul Adalbert Bicserdy, Lothar Gschwenter (Beirat)

Mit sehr persönlichen Worten gedachte Vorsitzender Tobias Kurzmaier dem vor wenigen Tagen plötzlich und unerwartet verstorbenen Mitglied Hermann Harbeck aus München. Er war seit 2003 Mitglied im Verein und gehörte dem Beirat mindestens seit 2013, also dem Jahr, in dem Tobias Kurzmaier den Vorsitz übernommen hat, an. Kurzmaier nannte Hermann Harbeck eine ganz treue Seele im AKWPW, einen äußerst feinen Menschen und lieben Freund. Die Anwesenden erhoben sich von ihren Plätzen zum Totengedenken. Der Aktionskreis für Kultur, Wirtschaft, Politik und Wissenschaft e.V. wird Hermann Harbeck immer ein ehrendes Andenken bewahren.

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